Carte postale de Speicherstadt

20180629_104234Chère C.,
vendredi dernier j’ai participé à un tour du quartier Speicherstadt à Hambourg. 20 personnes, on s’est retrouvé sur le pont à Wandrahmsteg. Là-bas on a fait des exercises pour percevoir sans regarder, laisser entrer ce qui nous entoure. Puis on a commencé à marcher tous ensemble en ligne, une distance de 5 mètres (je suis nulle en mesure) entre deux personne. Une patrouille qui se baladait dans le quartier, montait les escalier, traversait les multiples ponts. Quand t’y marches, en silence, tu laisses entrer les traces du colonialisme (devenu tourisme). La beauté des vieux dépôts, des signes de vente, des cafés de denrées coloniales, c’est chic, les meubles. Cette marche, recueillie, cette manifestation subtile dans l’espace public m’a fait réfléchir. Des fois les questions sont plus touchantes que les réponses.
Merci pour ton long mail insomniac. Dans un futur proche le port sera bouché par des méduses qui dégagent une liquide soporifique. Peut-être qu’on pourra dormir enfin.
Je pense à toi et notre visite du mémorial de l’abolition de l’esclavage à Nantes, notre recherche sur les bateaux l’année dernière. Retrouve-moi ici, et la recherche continue.. (en plus il fait super beau!)
Je t’embrasse,
H.

Reflexionen

Es ist windig auf meinem Balkon. Sonntag, der 1. Juli. 14h. Wie diese Woche zusammenfassen, gar nicht erst anfangen zu denken. Viel Organisation, Selbstorganisation. Wann ist der beste Zeitpunkt zum Mittagessen? Braucht es extra Käse zur veganen Pasta? Wie man eine Wassermelone ohne Messer ist..? Ein Meeting am Tag, um die dringendsten Fragen zu besprechen. Einen Ort an der Wand, an dem man Wünsche und Ängste notieren kann, einen stillen Tisch, an dem man nicht gestört wird. Wie viel Nähe, wie viel Distanz? Wie viel Abstand zwischen den Menschen, die in einer Reihe durch die Speicherstadt patrouillieren? Sodass man sie noch wahrnimmt. Oder: Wie subtil kann man im öffentlichen Raum auftreten ohne zu verschwinden? Über die Brücken. Die Wendeltreppen hoch. Still und irgendwie andächtig. Den Kopf voll mit Fragen, die ich mir nicht stellen würde, wenn jemand mir die Antworten gibt. Wie viel Input braucht es, damit Inspiration entsteht? Und wie streng müssen Scores formuliert sein, damit sie Spaß machen? Warum feel free to explore..! mich eher ins Universum des Willkürlichen stürzt und welche Bedürfnisse in mir geweckt werden, wenn ich Teil einer Gruppe bin, in der sich manche sicherer fühlen als andere. Wie viel kann ich euch erklären, darüber was hier passiert, und wie werde ich das Gefühl los, dass es zu exklusiv ist um offen für alle zu sein? Wie schnell man Touristin wird, wenn man anfängt sich praktisch mit Tourismus zu beschäftigen. Und wo die Grenze verläuft zwischen Kultur und Tourismus? Welche Art von Tourismus nicht die Stadt konsumieren würde.. nicht ihr Kolonialerbe aufhübschen, die Preise in die Höhe treiben, sodass ich mir bei den Landungsbrücken nur im allergrößten Notfall eine Flasche Wasser kaufen würde. Warum man nicht als Tourist wahrgenommen werden will, an dem Ort, wo man zu Hause ist. Wie schön dieser Sommer ist. Wie schön Hamburg sein kann.. vor allem da draußen, südlich der Elbe, wo man noch träumt, angstfrei, und baut. Auf Inseln, die allen gehören. Wie leicht sich Orte romantisieren lassen. Wenn man Postkarten schreibt und Menschen anlocken will. Warum manche Menschen dort sein wollen wo niemand ist, und andere da, wo alle sind. Wie sich Gruppen bilden und auseinanderfallen, weil das, was sie zusammenbringt ephemer ist (Klang und Bewegung). Wie sich Gruppen bilden und bestehen, weil das, was sie zusammenbringt vermeintlich immer da ist (Nationalitäten, Religion). Wie sich Gruppen bilden, auseinanderfallen und wieder zusammenfinden, immer wieder, aus Solidarität? Politischer Überzeugung? Lust? Affinität? Wie sich in hierarchiefrei-deklarierten Strukturen, Rollen herausbilden. Dass die, die sprechen sichtbarer sind, als die, die zuhören. Weil sie lauter sind. Dass manche nicht so laut sein wollen. Dass manche gerne lauter wären. Und dass man daran arbeiten kann, damit die Rollen nicht an Personen geknüpft sind, sondern in Bewegung bleiben, und man sich mit ihnen einkleiden kann, je nachdem was gebraucht wird und wie produktiv dann eine Diskussion sein kann, wenn ihre Teilnehmer/innen unterschiedliche Positionen einnehmen und keine Rolle wichtiger ist als die andere; wenn alles zur Verfügung steht: die Träumereien, Pläne zur Umsetzung, die ganze Palette von Naivität, Idealismus, Pragmatismus, Realismus, die kritischen Fragen. Wie scharf Kritik sein kann, ohne zu verletzen. Wie Kritik frei von Arroganz sein kann. Und woher diese ganzen Fragen kommen? Das fragt ihr euch vielleicht.

Heike Bröckerhoff
#documentation

of a tourist of a tourist

What you cannot see in the video…
These people rolling down the stairs with support – some of them wearing colorful overalls – and the passerby reacting to them: do you need help? Is it an accident? You cannot see that they are two working groups who met by chance in the park: These guys rolling down the stairs, in the background, are from Hamburg. And the internationals on a touristic trip on the left side of the image. Okay, maybe you could recognize something touristic about them. Jin’s hat. People with backpacks. Standing in a group, looking in the same direction. Rita taking a picture. Nuno posing. But what you cannot see in this video is that they are performing or let’s say practicing a ”monument to tourists“ which is a specific approach to traveling and discovering a city. They ask you: What’s your favorite place in Hamburg? Or: In this district? They go there, and take a picture or film? (That’s what you can see in the video). And ask the next person in that spot, where to go. At least that’s how I imagine it. What else? Luckily, what you cannot see is me lying on a bench in the shadow sun-struck, trying to watch from afar (but actually having a nap).

Helena Ratka  (Video), Heike Bröckerhoff  (Text)
#documentation

 

Postkarte vom Archipel

archipel

Liebe J.,
Gestern morgen bin ich durch den alten Elbtunnel gejoggt. Touristischer Dauerlauf in der Gruppe. Wir waren 6 Läufer/innen. Die anderen haben uns auf ihren Rädern begleitet. Sonst jogge ich allein. Aber uns ist es gut gelungen, dem eigenen Tempo treu und zusammen zu bleiben. Ich war in der Mitte. Und ich mochte das, aus dieser solitären Ausdauer- oder Körperarbeit einen freudvollen Ausflug zu machen. Das Wetter war fantastisch. ziemlich heiß. Außer im Tunnel, dort ist es verflucht kalt. Der Tunnel ist kurz, wenn man joggt. Guided Tour de Tunnel.. Greta führt uns nach Wilhelmsburg. 4,5 Kilometer. Durch den Hafen, über Brücken. Wunderschöne Blickachsen, Abgase in den Lungen. Bis zum Archipel. Eine schwimmende Plattform, eine Insel auf Hamburgs Gewässern, wo uns Finn und kühle Getränke erwarten.
Ich würde dich gern sehen, wenn du schon im Wendland bist. Hamburg ist doch nur einen Katzensprung entfernt. Pass by.. und lass uns auch eine Runde joggen gehen, wie früher um den Unterbacher See.
H.

And if i watched you from afar… (Touch Flow)

Found them on a bridge
calm and silent
20 people doing different things
moving
doing the same thing
being moved
synchronicity is just a word
i don’t know what it really means

a gaze
saying hello
you could be surprised
getting closer to / becoming
architecture
slowly, then a cry
someone running
i should follow now
or stay with the feeling.

***
They’re transforming the atmosphere, not the environment itself. (how to leave traces?)
there is a certain magic to that
rupture
– in the flow of time running forwards –
but peacefully
like playing with a chewing gum.

Heike Bröckerhoff  (Text) , Helena Ratka  (Video)
#documentation

Postcard from Teufelsbrück

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Dear E.,
I took the ferry this morning to join a walk (backwards with a little hand mirror).
Anja invited us. She discovered this practice when she was in Beijing for the first time.
Apparently many people in China are doing this, turning back the wheel of time. Imagine 15 people in a line, with some 10 meters distance in between them, doing something so ordinary in such a strange way.

I enjoyed the silent walk by the river.. later on, it got crowded and I had to navigate a lot with the mirror, each second passer-by was stopping us, made comments: This will become part of the next Olympic games.. I am also doing this but nobody told me that this is art.. Is it a new trend? Or a competition?

Most of them where just curious, wanted to understand what we’re doing there and why: It’s a training. Raising awareness, activating some muscles, we usually don’t use. And it’s supposed to slow down our neuronal activity.

Obviously, this is more than a training, it’s already an intervention. Visually, performative. Becoming human obstacles. „I imagine our bodies effecting other bodies in the city“, Verena said yesterday, when we were lying in a circle eyes closed. And it has already happened. We changed the traffic. At least a bit. Made people take care of us. When I looked at my colleagues with their tiny mirrors trying to find their way through the joggers, pedestrians, and cyclists, I got a feeling of vulnerability. But it wasn’t me my own body feeling vulnerable. I felt protected by the group. But the others.. we kind of exposed ourselves, giving up control (the gaze). Sky was cloudy and a bit grey first but we finally reached the expected 26 degrees.. as weather is doing so much to our physical conditions and mood, it cannot be a banal sujet, right?
You should stop working so much and pass by in sunny Hamburg instead.
Much love,
Heike

***
Postcards from..
feels like being on holiday. Choose a person to write to, someone who is living elsewhere, abroad, far away. Tell about your experiences, excursions, daily training, and traveling. Write about the weather.
Postcards from.. is a tool for bringing tourists to Hamburg that you would really like to have in the city.

Postkarten aus..
fühlt sich an wie Urlaub. Wähle eine Person, der Du schreiben möchtest, jemand, die/der woanders lebt, in der Ferne. Erzähle von Deinen Erfahrungen bei Ausflügen, dem täglichen Training, dem Reisen und unterwegs sein. Schreibe über das Wetter.
Postkarten aus.. ist ein Mittel um Tourist/innen nach Hamburg zu locken, die Du wirklich gern hier haben möchtest.