Reflexionen

Es ist windig auf meinem Balkon. Sonntag, der 1. Juli. 14h. Wie diese Woche zusammenfassen, gar nicht erst anfangen zu denken. Viel Organisation, Selbstorganisation. Wann ist der beste Zeitpunkt zum Mittagessen? Braucht es extra Käse zur veganen Pasta? Wie man eine Wassermelone ohne Messer ist..? Ein Meeting am Tag, um die dringendsten Fragen zu besprechen. Einen Ort an der Wand, an dem man Wünsche und Ängste notieren kann, einen stillen Tisch, an dem man nicht gestört wird. Wie viel Nähe, wie viel Distanz? Wie viel Abstand zwischen den Menschen, die in einer Reihe durch die Speicherstadt patrouillieren? Sodass man sie noch wahrnimmt. Oder: Wie subtil kann man im öffentlichen Raum auftreten ohne zu verschwinden? Über die Brücken. Die Wendeltreppen hoch. Still und irgendwie andächtig. Den Kopf voll mit Fragen, die ich mir nicht stellen würde, wenn jemand mir die Antworten gibt. Wie viel Input braucht es, damit Inspiration entsteht? Und wie streng müssen Scores formuliert sein, damit sie Spaß machen? Warum feel free to explore..! mich eher ins Universum des Willkürlichen stürzt und welche Bedürfnisse in mir geweckt werden, wenn ich Teil einer Gruppe bin, in der sich manche sicherer fühlen als andere. Wie viel kann ich euch erklären, darüber was hier passiert, und wie werde ich das Gefühl los, dass es zu exklusiv ist um offen für alle zu sein? Wie schnell man Touristin wird, wenn man anfängt sich praktisch mit Tourismus zu beschäftigen. Und wo die Grenze verläuft zwischen Kultur und Tourismus? Welche Art von Tourismus nicht die Stadt konsumieren würde.. nicht ihr Kolonialerbe aufhübschen, die Preise in die Höhe treiben, sodass ich mir bei den Landungsbrücken nur im allergrößten Notfall eine Flasche Wasser kaufen würde. Warum man nicht als Tourist wahrgenommen werden will, an dem Ort, wo man zu Hause ist. Wie schön dieser Sommer ist. Wie schön Hamburg sein kann.. vor allem da draußen, südlich der Elbe, wo man noch träumt, angstfrei, und baut. Auf Inseln, die allen gehören. Wie leicht sich Orte romantisieren lassen. Wenn man Postkarten schreibt und Menschen anlocken will. Warum manche Menschen dort sein wollen wo niemand ist, und andere da, wo alle sind. Wie sich Gruppen bilden und auseinanderfallen, weil das, was sie zusammenbringt ephemer ist (Klang und Bewegung). Wie sich Gruppen bilden und bestehen, weil das, was sie zusammenbringt vermeintlich immer da ist (Nationalitäten, Religion). Wie sich Gruppen bilden, auseinanderfallen und wieder zusammenfinden, immer wieder, aus Solidarität? Politischer Überzeugung? Lust? Affinität? Wie sich in hierarchiefrei-deklarierten Strukturen, Rollen herausbilden. Dass die, die sprechen sichtbarer sind, als die, die zuhören. Weil sie lauter sind. Dass manche nicht so laut sein wollen. Dass manche gerne lauter wären. Und dass man daran arbeiten kann, damit die Rollen nicht an Personen geknüpft sind, sondern in Bewegung bleiben, und man sich mit ihnen einkleiden kann, je nachdem was gebraucht wird und wie produktiv dann eine Diskussion sein kann, wenn ihre Teilnehmer/innen unterschiedliche Positionen einnehmen und keine Rolle wichtiger ist als die andere; wenn alles zur Verfügung steht: die Träumereien, Pläne zur Umsetzung, die ganze Palette von Naivität, Idealismus, Pragmatismus, Realismus, die kritischen Fragen. Wie scharf Kritik sein kann, ohne zu verletzen. Wie Kritik frei von Arroganz sein kann. Und woher diese ganzen Fragen kommen? Das fragt ihr euch vielleicht.

Heike Bröckerhoff
#documentation

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